Mein Handy, mein Hirn.

 

Die Produktion und Auswertung der Daten ist wie gesagt nur die eine Seite der Medaille. Die Digitalisierung umfasst letztendlich lange schon einen Großteil unserer Tätigkeiten. Weil sich Informationen innerhalb kurzer Zeit durch Suchmaschinen finden lassen, geben sich immer weniger Menschen die Mühe, sich Dinge zu merken. Macht das Internet dumm? Macht das Internet vergesslich? Macht das Internet denkfaul? Diverse Wissenschaftler beschäftigen sich seit Jahren damit, wie das Internet unsere Informationsaufnahme verändert. An dieser Stelle soll dies nicht weiter bewertet werden. Hier soll es eher um die zunehmende Unmündigkeit vieler Menschen gehen, sich ohne digitale Helfer zurechtzufinden. „Die Verwobenheit des Menschen in seine technischen Apparaturen führt langsam aber sicher zu einer Revision des Menschenbildes Die Theoretiker des extended mind nehmen das Denken aus dem Kopf und erklären, dass es verteilt über viele Dinge stattfindet“, erklärt Buchautor Christoph Kucklick.

Was er und Vertreter des extended minds damit meinen? Vom Prinzip, das wir unsere Gehirne längst ausgelagert haben. Was das mit Knigge zu tun hat? Mal wieder eine Menge. „Hüte Dich also, Deinen treuesten Freund, Dich selbst, so zu vernachlässigen, daß dieser treue Freund Dir den Rücken kehre“, wusste bereits Knigge. Ein ganzes Kapitel hat er über den Umgang mit sich selbst verfasst. Der Freiherr konnte natürlich nicht ahnen, wie uns die Technik das Leben einmal erleichtern wird. Seine Beobachtung war jedoch gut genug, um schon damals die Neigung des Menschen zu erkennen, eher faul zu sein, wenn es auch einfach geht. „Wer aber die Kräfte seines Verstandes und Gedächtnisses immer schlummern lässt (…) ist auch ohne Rettung verloren, wo es auf Kraft, Mut und Entschlossenheit ankommt.“

Wie verloren wir heute sind, können wir in einer ganz normalen Arbeitswoche einmal versuchen – indem wir das Handy wegschließen. Termine steuern wir über Kalenderprogramme. Bei der Rechtschreibung verlassen wir uns auf elektronische Wörterbücher. Die Suche nach der schnellsten Verbindung erledigen Apps auf dem Handy. Die Umrechnung von Währungen erledigen Rechner. Taxiruf? Ein Tastendruck auf den Smartphone. Ich muss nicht einmal mehr die Straßenecke kennen, in der ich mich befinde, geschweige denn das Viertel oder die Stadt. Ganz egal. Ein Knopfdruck und die Herausforderungen erledigen sich von selbst.

Ich bin um Himmelswillen kein Kritiker all der Vereinfachungen. Schließlich bedeuten sie ja positiv betrachtet ebenso, dass wir uns neue Themenfelder erschließen. Apps können uns positiv betrachtet helfen, neue Sprachen zu lernen. Lernsoftware kann die Konzentration fördern. Bestimmte Programme beschleunigen uns und erlauben gemeinsam mit unserem Denken Ergebnisse, die wir allein gar nicht zu erreichen in der Lage wären.

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