Von Wortwellen bis Info-Tsunami

Wer nach Zahlen für die Informationsflut sucht, wird schnell fündig. Fast 10 Stunden unseres Tages verbringen wir mit der Nutzung medialer Inhalte. Wir schauen im Durchschnitt 240 Minuten fern, hören rund 190 Minuten Radio, surfen 111 Minuten im Internet, lesen 23 Minuten Zeitung. Im Schnitt prasseln, je nach Statistik, täglich zwischen 4.000 und 10.000 Botschaften auf jeden von uns ein. Täglich empfangen wir allein in Deutschland rund 41 Milliarden E-Mails. Weltweit werden täglich 200 Mrd. Mails geschrieben. Ob von Menschen oder Spamprogrammen, konnte ich nicht herausfinden. Der Durchschnittsverbraucher jedenfalls liest längst mehr als 30 Mails am Tag. Ich selbst bin Inhaber einer kleinen PR-Agentur und bereits vor etwa fünf Jahren erhielt ich erstmals als automatische Rückantwort: „Herzlichen Dank für Ihre sicher interessante Email und Pressemeldung. Kam ich in den vergangenen Jahren nicht mehr nur dazu, die Emails nicht alle zu lesen, so komme ich heute nicht einmal hinterher, die Emails zu löschen. Bitte entfernen Sie meine Adresse unverzüglich aus Ihrem Verteiler.“ Ich weiß nicht mehr, in welcher Schriftgröße der Autoresponder abgefasst war und wie viele Ausrufezeichen der Botschaft Nachdruck verleihen sollten, die Mail jedenfalls entfaltete eine gewisse Signalwirkung. Und wem das alles noch nicht reicht: Pro Jahr summiert sich die Zahl der versendeten SMS-Botschaften auf rund 8,6 Trillionen. Beindruckende Zahle für Nachrichtendienste und Kommunikationswege, die vor einigen Jahren noch niemand kannte – oder gar zu brauchen schien.

Die Informationen selbst können freilich gar nichts dafür. Wir sind es, wegen denen sich die Daten bedrohlich anfühlen. Laut Knigge-Report fühlt sich jeder fünfte Deutsche mittlerweile durch die Informations- und Kommunikationsflut unter Stress. 44 Prozent, und damit fast die Mehrheit, stimmt dieser Aussage teilweise zu. Wozu Stress führt, egal ob er durch Informationen, Mobilität oder Erreichbarkeit hervorgerufen wird, darauf wollen wir später etwas ausführlicher eingehen. An dieser Stelle sei nur so viel verraten: Negativer Stress führt beim Menschen zu einer Verteidigungshaltung. Alles andere als ein guter Nährboden für Freundlichkeit und Gelassenheit.

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