Warum Sie Ihren Computer nicht ständig wegwerfen sollten

Nachhaltigkeit ist eines der Trendthemen – nicht nur in der Wirtschaft. Wir haben erkannt, dass wir nur ein Leben und eine Erde haben. Ressourcen wollen geschont werden, nicht nur in Bezug auf die Umwelt, sondern ebenso auf die Gesellschaft.

Viele Unternehmen orientieren sich an Richtlinien zur Corporate Social Responsibility (Hier geht es zu einer Beilage der mittleweile eingestellten FTD, in der ich auch über das Thema Mitarbeiterverantwortung geschrieben habe) und übernehmen Verantwortung für ihr Handeln, indem sie etwa Rohstoffe nachhaltig einkaufen, gegen Kinderarbeit vorgehen oder Geräte mit längeren Lebenszyklen produzieren. Konsumenten strafen Firmen entsprechend ab, wenn sie dagegen verstoßen. Unglücke und Skandale, wie im Fall der eingestürzten Fabrik in Bangladesch zeigen, wie akut das Thema ist.

Angetrieben durch die Globalisierung und den Shareholder-Value-Gedanken, nach dem es für Investoren kurzfristig den höchste Ertrag herauszuholen galt und gilt, war und ist dasjenige Unternehmen smart, dass höchstmöglichen Profit erwirtschaftet. Da lässt es sich nicht vermeiden, es mit Gesetzen, der Umwelt, der Ethik und den Menschen nicht so genau zu nehmen oder alles im Rahmen der Legalität bis aufs äußerste auszunutzen. Wirklich?

Das Ende des Wachstums

Immer deutlicher kommt jedoch die Frage auf, wie lange der Wachstumsgedanke allein die Wirtschaft noch tragen kann. Das Gewissen der Konsumenten und ihre Möglichkeiten, Druck auf Konzerne auszuüben, haben Konzerne ebenso zum Umdenken gezwungen. Die Verbraucher wollen Karma-Konsum, heißt es entsprechend in der FAZ mit Blick auf den immer größer werdenden Markt von Bio- und Fair-Trade-Produkten.

Sie fragen sich, was dies mit Ihnen und Knigge zu tun hat? Mehr als Sie denken. Bisher galt: Wer geschickt den Vorteil für sich nutzt, ist clever. Oder: Wer mit dem Flugzeug von München nach Leipzig fliegt, der hat es geschafft. Oder: Wer beim Geschäftsessen den Jahrgangschamapgner springen lässt, der meint es gut. Der neue Business-Knigge setzt jedoch auf langfristiges Engagement.

  • Knigge ist künftig Fahrrad statt Taxi
  • Knigge ist künftig Zug statt Flugzeug
  • Knigge ist künftig low Budget statt Luxusabsteige
  • Knigge ist künftig Spenden statt üppiger Weihnachtsgeschenke
  • Knigge ist künftig langfristiges Geschäft statt kurzfristiger Abschluss
  • Knigge ist künftig selber denken statt googeln
  • Knigge ist oftmals analog statt digital

 

Nutzungsdauer macht Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit im Geschäftsleben lässt ebenso auf dem Umgang mit Arbeitsmaterialien und Arbeitsmitteln übertragen. Gemeint sind an dieser Stelle nicht Projekte wie Aqua con Viva, bei dem Büroangestellte mit jedem Wasser, dass sie trinken, etwas spenden. Gemeint sind auch weniger das umweltfreundliche Papier oder der sparsame Umgang mit Papier überhaupt, indem nicht jede E-Mail ausgedruckt wird. Alles richtig, alles gut.

Die Rede ist hier jedoch davon, wie schnell wir Arbeitsmittel austauschen. Sei es das neuste Smartphone-Modell, das neuste Tablet oder der neuste Firmenwagen: Die ständige Neuanschaffung von Arbeitsgeräten ist in mehrerlei Hinsicht kurzfristig. Der kanadische Philosoph Charles Taylor, der sich in seinen Werken für mehr Gemeinsinn und Solidarität einsetzt und sich viel mit der Frage der Identität beschäftigt, erklärt beispielsweise: Dinge ständig wegzuwerfen bedeute, in gewisser Weise den eigenen Charakter zu ändern.

Was das heißt? Das bedeutet, dass wir in unserer Arbeitswelt keine eigene Identität mehr finden und entsprechend selbstbestimmt handeln können, weil uns mittlerweile sogar die materiellen Bezugspunkte fehlen. Zu schnell tauschen wir nicht nur Smartphones und Tablets aus, sondern wechseln gezwungenermaßen auch ständig die Betriebssysteme. Es gelingt uns nicht, Beziehungen aufzubauen. Beziehungen, die uns um Ende bei der eigenen Verortung helfen. Beziehung, die ein Fundament bilden für Umgangsformen und Werte.

„Tatsächlich, so meine ich, sind die Dinge, mit denen wir leben und mit den wir arbeiten, immer auch bedeutsam für unsere individuelle Identität“, erklärt der Jenaer Wissenschaftler Hartmut Rosa, den ich bereits in puncto Beschleunigung und Selbstversklavung zitiert habe. Er vertritt die Meinung, dass wir nur dann mit unseren Dingen eine Beziehung eingehen können, wenn wir sie nicht vor dem Kaputtgehen oder Verschleißen austauschen. Also: Höchste Zeit, länger an den Dingen festzuhalten.

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